Predigten aus dem Leben gehalten von :

Pfarrer Lothar Klinges,
Lindenstraße 25, B - 4750 Weywertz
Tel. 003280446069; Telefax: 003280447769

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Predigten zur Osterzeit - Lesejahr A
3. Sonntag

1 Petr 1,17-21
14. April 2002

Liebe Mitchristen,

Die Worte aus dem 1. Petrusbrief wurden geschrieben an Menschen, die vorher Nicht-Gläubig waren und nun zum Glauben gekommen sind. Da heißt es: "Früher war eure Lebensweise sinnlos. Ihr habt eigentlich gar nicht gewusst, wofür ihr lebt. Aber jetzt, wo ihr gläubig seid, ist euer Leben sinnvoll. Christus hat euch aus dieser früheren sinnlosen Lebensweise herausgeführt."

Fragen wir uns nicht auch, ob unsere Lebensweise sinnvoll ist. Wir kennen es doch aus eigener Erfahrung aus unserer Umgebung. Folgendes Gleichnis kann das verdeutlichen:

Ein Fischer sitzt am Strand und blickt auf das Meer, nachdem er seinen Fang auf den Markt gebracht hat. Ein Tourist beobachtet ihn und fragt, warum er keinen Kredit aufnehme. Dann könne er einen Motor kaufen und das Doppelte fangen, was wiederum das Geld für einen Kutter und für einen zweiten Mann einbrächte. Und zweimal täglich auf Fang gehen, das hieße das Vierfache vom Jetzigen verdienen. Warum er eigentlich hier herumtrödele und auf das Meer hinaus schaue - Auch ein dritter Kutter könne angeschafft werden, überhaupt, man könne das Meer viel besser ausnutzen: ein Stand auf dem Markt, ein paar Angestellte. ein Fischrestaurant, eine Konservenfabrik ... Dem Touristen leuchten schon die Augen. "Und dann" unterbricht ihn der Fischer. - "Dann brauchten Sie gar nichts mehr zu tun. Dann könnten Sie den ganzen Tag hier sitzen und glücklich auf das Meer hinausschauen". - "Genau das tue ich jetzt schon", sagt der Fischer.

In diesem Gleichnis steckt doch so ziemlich alles drin, was wir als sinnlose Lebensart ausmachen. Wenn jeder nur an sich denkt und an seine Karriere, wenn Ellbogen eingesetzt werden, um es besser zu haben, wenn man rackert und ackert und schafft und arbeitet bis zum Umfallen, nur um sich etwas mehr Luxus als der Nachbar leisten zu können - dann ist das sinnlos, eine sinnlose Lebensweise. Da werden wir alle einer Meinung sein: So was macht nicht glücklich und nicht froh. Sicher, wir alle wollen glücklich sein... aber Geld und Reichtum, Ansehen und Karriere machen das Glück nicht aus.

Ein Mensch, der wirklich glaubt, hat eine andere Sicht vom Leben. Ein gläubiger Mensch legt Wert auf andere Dinge. Für einen Christen haben die Dinge und Sorgen des täglichen Lebens einen anderen Stellenwert: Für ihn gibt es andere Dinge, die das Leben sinnvoll machen: Zum Beispiel:

  • - mich einsetzen mit meinen Fähigkeiten für andere oder für Ziele, für Ideale, wie z.B. mehr Gerechtigkeit oder Bewahrung der Umwelt
  • - schenken und hergeben, auch und vor allem dann, wenn man nichts zurück bekommt - verzeihen, immer wieder
  • - mich einfühlen in andere, um herauszufinden, was ihnen fehlt oder was sie brauchen,
  • - Danke sagen, Dankbarkeit zeigen oder auch dankbar sein, wenn man selbst beschenkt wird.

Also, was andere froh und glücklich macht, da wo ich mich für andere einsetze, das macht mein eigenes Leben sinnvoll. Ein Leben, das sich nur um sein eigenes "Ich" dreht, ist sinnlos. Ein solches Leben weckt nur den Hunger nach immer mehr und mehr...

Genau das meint Jesus, wenn er vom "Reich Gottes" spricht. Also unseren Blick lösen von diesem dauernden Schaffen, Verdienen, Raffen und Leisten um sich möglichst viel Luxus und Vergnügen leisten zu können.

Im Grunde geht es darum, sich zu fragen, wie GOTT in meinem Leben und im Leben unseres Dorfes einen wichtigen Platz bekommt.

Wer so lebt, der lebt heute als Fremder, sagt Petrus, als Aussätziger, als - so würden wir heute sagen, als "Idiot". Wer heute wirklich als Christ LEBEN will, der ist wie ein Fremder, der bleibt den anderen fremd. Wie ein Exote unter Europäern. Denn das sogenannt Normale, also die Lebenweise der meisten von uns, ist die sinnlose "Haste-was-dann-biste-was"-Lebensweise, die so viele Menschen kaputt macht.

Als Christen leben wir heute in einer immer mehr nicht-christlichen Umgebung... aber Hand aufs Herz, lebt das "Nicht-Christliche" nicht auch in uns, die wir meinen uns "Christen" nennen zudürfen.

Heutzutage dürfen wir immer weniger davon ausgehen, dass Menschen, die uns begegnen, Christen sind. So manche Eltern erleben dies schmerzhaft bei ihren eigenen Kindern, die mit Freunden zusammen sind, die von Kirche und Glaube nichts mehr halten.

Als Christen leben wir in der Minderheit. Aber was viel Schwerwiegender ist, ist dass wir uns der sinnlosen materialistischen Lebensweise anpassen. Wenn wir das tun, dann verlieren wir unsere Daseinsberechtigung als Christen und werden belächelt oder abgelehnt, ausgestoßen und als die letzten Exoten ausgemustert

Deshalb ist es mehr denn je unsere Aufgabe, unsere Berufung als Christen ernst zu nehmen, so dass wir aus der sinnlosen und hoffnungslosen Lebensweise unseres Umfeldes aussteigen und anderes für wichtiger halten. Das sagt auch eines der neuen geistlichen Lieder:

Hört man uns nicht auf den lärmenden Straßen, dennoch singen wir. Ist unser Lied in den Wind geblasen, dennoch singen wir. Haben wir auch zum Schöpfen nur Siebe, dennoch schöpfen wir. War es auch zehnmal vergebliche Liebe, dennoch lieben wir.


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